Theo Jörgensmann & Albrecht Maurer // Röttgen

Phil Reptil & Marei Seuthe plus Peter Hölscher // Gertrud

 

Theo Jörgensmann – Klarinette

Albrecht Maurer – Viola

Marei Seuthe – Violoncello, Singende Säge, Gesang

Phil Reptil – Live Elektronik, E-Gitarre

Peter Hölscher – Liquid Images (Fotografie/Video)

 

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Theo Jörgensmann und Albrecht Maurer präsentieren mit Röttgen eine neue gemeinsame Arbeit. Sie spielen, verdichten, machen wiederholbar, extrahieren Noten und spielen in ihrer eigenen Tonsprache scheinbar nebeneinander und doch mit traumwandlerischer Kommunikation. Es ist eine komplexe neutönerische Musik, oft bi-metrisch, gerne abstrakt, häufig figurativ, immer kosmopolitisch und gleichzeitig von Heimat beseelt. Röttgen ist ein Symbol für eine einfache Begegnung im Irgendwo. Sie erweitern ihr Instrumentalspiel mit ihren Stimmen, mit Schwebungen, Vierteltönen und Geräuschen aller Art. All das kommt zusammen und doch beschreibt es nicht das Wesentliche. Es ist die Verbundenheit im Geiste, es sind Jahre des gemeinsamen Spiels, es ist die Haltung, es ist die gleiche Faszination am interaktiven Agieren im 4 dimensionalen musikalischen Raum.

Theo Jörgensmann gehört zur zweiten Generation der europäischen Free Jazz Musiker. Er war an der Renaissance der Jazzklarinette in den 1980er Jahren beteiligt und gilt als einer der herausragenden Solisten auf diesem Instrument. Jörgensmann zählt zu den wenigen Klarinettisten, die unbegleitete Solo-Konzerte geben oder Solo-CDs veröffentlichen. Im Laufe seiner nun schon drei Jahrzehnte umspannenden Karriere als freier Improvisator spielte er neben vielen anderen mit Mike Richmond, Barre Phillips, Kent Carter, John Lindberg, Charlie Mariano, Wilbur Morris, Eric Vloeimans, Jeanne Lee, John Fischer, Vincent Chancey, Kenny Wheeler, Paul Mc-Candless und Lee Konitz.

Albrecht Maurer studierte zunächst Viola, dann Violine an der Musikhochschule Köln. Darüber hinaus betrieb er  Studien bei Johannes Fritsch und Klarenz Barlow. In den 80 er Jahren spielte er überwiegend Synthesizer. Seit seiner Begegnung mit Theo Jörgensmann 1992 konzentrierte sich Maurer auf die Violine und begann seine Spieltechniken, Loops und perkussive Ideen von Tasteninstrumenten auf die Violine zu übertragen. Seit 2002 spielt er zudem mittelalterliche Instrumente und seit 2009 ebenfalls Viola. Er arbeitete mit zahlreichen Jazzmusikern wie Kent Carter,Wolter Wierbos, Benoit Delbecq, Bobo Stenson, Norbert Stein, Klaus Kugel, Charlie Mariano,  Karl Berger,  Steve Argüelles, Barre Phillips, Carla Bley, Peter Jacquemyn, Lucian Ban und John Hébert. Mit seinen historischen Instrumenten arbeitet er u.a. mit Katarina Livljanic und Norbert Rodenkirchen.

 

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Phil Reptil wird den Live Remix kreieren, der diesmal nur ein kleiner Teil des musikalischen Geschehens ausmachen wird. Denn hier geht es um das Einarbeiten der Remix-Klänge in ein bestehendes Programm. Im Projekt „Gertrud“ trifft das Duo Phil Reptil und Marei Seuthe auf die Liquid Images von Peter Hölscher. Langsam ineinander verschwimmende Fotos, die Peter Hölscher von den beiden Musikern in der Kirche St. Gertrud in Köln gemacht hat, beleuchten magisch das Duo durch eine Gaze-Leinwand hindurch. Ein surrealer Klang- und Bilderrausch zieht das Publikum in seinen Bann. Im Duo treffen 8 Saiten, verschiedene Drähte und Kabel aus Paris auf 4 Saiten, 2 Stimmbänder und Sägeblatt aus Köln: Rockgitarre accompagniert mittelalterliches Lied. Singende Säge jault mit Elektrik um die Wette. das Cello von 1740 misst sich mit spacigen Samples aus der Zukunft. Loop versus Ostinato, Geräusch gegen Wohlklang…Phil Reptil und Marei Seuthe lassen verschiedenste musikalische Welten aufeinanderprallen und mixen aus den Werken der Alten Musik und ihren eigenen rockigen Kompositionen und avantgardistischen Improvisationen ein Klanggebräu wundersamer Harmonie.

Phil Reptil, geboren in Neuilly-sur-Seine, studierte an der Universität Paris VIII Musikwissenschaft. Als Gitarrist, Pianist und Sounddesigner ist er seit über 25 Jahren im Elektro-Akustik-Universum unterwegs und produziert mit seinen verschiedenen Bands Konzertprogramme und CDs. Außerdem ist er pädagogisch tätig und konzipierte eine Methode für  „instant composing“. Als Improvisator war er in Köln zusammen mit Marei Seuthe in Dietmar Bonnens Projekt „Chronotopia“ im Loft zu hören und gründete mit ihr das Duo „Phil Reptil&Mimi Cri“. Zuletzt ging er mit der Jazz-Sängerin Mina Agossi auf Tournee, für deren neues Album er auch den Titelsong komponierte.

Die Cellistin und Sängerin Marei Seuthe wirkte nach ihrem Studium an der Musikhochschule Köln als Musikerin, Komponistin und Darstellerin in verschiedenen Produktionen im Bereich Improvisation, Neue Musik und Tanztheater mit. So gestaltete sie mit den Ensembles „Foliafolie“ und „Cello en Vogue“ Konzertprogramme für den WDR und trat mit der Vokalformation „Millefleurs“ bei internationalen Festivals auf. Mit „Wunschkonzert“ vom Schauspiel Köln wurde sie zum Berliner Theatertreffen 2009 eingeladen. Seit 2010 arbeitet sie mit dem Videokünstler Peter Hölscher zusammen. Für die Rheinische Musikschule Köln inszenierte sie mehrere Musiktheaterprojekte, u. a. 2010 im WDR und in der Kölner Philharmonie die Kinderoper „Olivers Abenteuer“ von Markus Stockhausen. Sie ist an zahlreichen CD-Produktionen beteiligt und war 2012 und 2014 guest artist und Workshopleiterin beim New Directions Cello Festival in Ithaca, New York.

Peter Hölscher studierte Design in Düsseldorf. Seitdem arbeitet er als Fotograf, Bildhauer und Grafiker in Düsseldorf und Leverkusen. Seine aktuellen Projekte sind Klangskulpturen und Liquid Images. »Liquid Image« ist ein Fotoflug durch einen Raum oder um ein Objekt herum, fotografiert wie Einzelbilder eines Films. Die Bilder werden mit einem eigens dafür programmierten Algorithmus ineinander geblendet. Ein »Liquid Image« ist kein Video. Es ist ein Bild, das sich auf einer Zeitachse bewegt.

Einen Vorgeschmack auf Gertrud sehen sie hier: www.peter-hoelscher.de